Aus Ausgabe 188:

Auf ein Wort:

Die Stephanuskirche im grünen Kleid

- 50 Jahre Stephanuskirche -

Es war an einem Montagvormittag im März des Jahres 1998, als ich zum ersten Mal die Stephanuskirche in Unterliederbach zu Gesicht bekam: Ein heller, großzügiger Bau mitten auf einer grünen Wiese, umgeben von Bäumen am nahen Liederbach! So ganz anders als die Stadtkirchen, die ich bisher besucht und besichtigt hatte: die waren entweder umgeben von Straßenverkehr, alt und düster oder geduckt und eingereiht in eine Wohnhauszeile.
Die Stephanuskirche strahlte mich dagegen an als wollte sie sagen: Lass dich nieder. Hier ist es gut! Zusammen mit Dr. Gann, der damals Vorsitzender des Kirchenvorstandes war, und Kollege Pfarrer Dr. Volz durfte ich die Kirche besichtigen. Das Beeindruckendste waren die Fenster mit den bunten Glassteinen, den Bildern zu Stephanus, dem Namenspatron.
Ich erfuhr, dass früher Bänke in der Kirche gestanden hatten und der Fußboden leicht geneigt zum Altar hin abfiel wie in einem Theater oder Kino. Man hatte sich inzwischen für eine neue Flexibilität mit den Kirchenstühlen entschieden. Und das wurde zum großen Segen für den Raum: Heute finden
dort so viele verschiedene Veranstaltungen statt, die in anderen Kirchen gar nicht möglich wären:
Außer Gottesdiensten gibt es Konzerte mit Chor und Orchester, Seniorengymnastik und Ferienspiele, Adventsfeiern und Fußballübertragungen, Wiesenfeste, die wegen Regenwetters im Haus gefeiert werden können. Nicht zu vergessen der Basar, zu dem Verkaufsstände und Bücherregale den Kirchsaal in einen großen Marktplatz verwandeln.
Seit der Erweiterung der Stephanuskirche haben wir das Glück, im Parterre auch gehbehinderte Menschen gut aufnehmen zu können, denn vom Seiteneingang übers Foyer kommt jeder Rolli stufenlos zu Toilette, Küche, Büro und Kirche.
Und wenn wir bei schönem Wetter draußen feiern wollen, bietet sich unsere Wiese zwischen Turm und Treppe an, die erfreulicherweise der Gemeinde gehört. Der erste Stock und der Keller bieten uns außerdem so viele Möglichkeiten für Gruppen, Kreise, Besprechungen und dergleichen. Sogar im Turm haben wir drei gut zu nutzende Räume für die Jugend - und auch für Ältere. Seit dem Umbau ist unsere Kirche zum Zentrum der Gemeinde geworden.
Menschengruppen treffen aufeinander, Seniorinnen und Konfirmanden, Kirchenvorsteher und Seidenmalerinnen, Kinderchor und Hausaufgabenhelfer, Gottesdienstplaner und Finanzausschuss, Ökumeniker und Literaturliebhaber und viele andere mehr.
Es gibt kaum noch Tage im Jahr, an denen die Kirche leer und still bleibt. Und jetzt, mit der neuen Orgel, tönen sogar manchmal Übungsmelodien bis ins Gemeindebüro - was für eine Freude!
Ja, diese Kirche, unsere Stephanuskirche ist ein Haus aus lebendigen Steinen, ein Haus, in dem das Leben der Gemeinde pulsiert. Klar, von außen wirkt sie nüchtern, schnörkellos, vielleicht sogar ein wenig steif und kühl. Innen finden wir es überwiegend sachlich vor, alles ist leicht aufzuräumen und in einen „Urzustand“ zurückzuversetzen.
Aber wenn dann die Menschen kommen und dort etwas miteinander unternehmen, dann geht es freundlich, fröhlich, auch gemütlich und gesellig zu. An den Menschen liegt es, wie lebendig unsere Kirche ist.
Denn Kirche ist weitaus mehr als nur das Gebäude. Wir alle miteinander sind Kirche. Und weit darüber hinaus:


Ich träume eine Kirche, die teilt und sich verschenkt,
die wenig an sich selber und viel an andre denkt.
Ich träume eine Kirche, die Mauern überspringt,
die lacht und weint und segnet und mit den Menschen singt.
(Dieter Stork)

In diesem Sinne wünsche ich der 50jährigen Stephanuskirche eine lebendige und gesegnete Zukunft!
Ihre Pfarrerin Monika Kunz

Aus Ausgabe 187:

In Farbe und in neuem Glanz…


Als Sie ihn in den Händen hielten, haben Sie da gleich erkannt, dass das der Unterliederbacher Brief ist?
Er hat ein neues Gesicht.Einige fleißige Hände und Köpfe waren über längere Zeit damit beschäftigt, neuen Glanz und Farbe in unseren Gemeindebrief zu bekommen. Ich nehme das zum
Anlass, Sie einmal hinter die Kulissen des Unterliederbacher Briefs und seiner Neugestaltung zu führen.
Für mich hat es damit angefangen, dass ich als Vikarin nach Unterliederbach kam. Vikare sollen den Gemeinden ja auch von Nutzen sein und so gehört es zu unseren
Aufgaben, während des Vikariats ein Projekt in der Gemeinde durchzuführen. Als ich nun hierher kam und den Unterliederbacher Brief in Händen hielt, dachte ich:
die Neugestaltung des Gemeindebriefes, das würde mir Spaß machen als Projekt. Nach kurzer Diskussion gab der Kirchenvorstand grünes Licht.
So eine Neugestaltung ist aber nicht ohne. Alleine hätte ich – mal ganz abgesehen von den technischen Herausforderungen – das alles nie gekonnt. Glücklicherweise gab
es ein fleißiges Team aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Pfarrer Kamlah, das seit vielen Jahren dafür sorgt, dass Sie alle drei Monate einen Unterliederbacher Brief
druckfrisch und interessant zu lesen im Briefkasten finden. Renate Daus, die neben den Inhalten für die Gestaltung des Unterliederbacher Briefs Sorge trägt, macht
dies beispielsweise schon seit über zwanzig Jahren. Sie hat sich mit viel Engagement in entsprechende Computerprogramme eingearbeitet und Stunden dafür aufgewendet,
dass der Brief heute so aussehen kann. Regine Leiss-Broj aus dem Kirchenvorstand hat uns graphisch unterstützt und beraten.
Im Team haben wir diskutiert, wie eine Neugestaltung aussehen könnte. Durch die farbliche Gestaltung sollte der Brief ansprechender sein, Fotos würden dadurch besser
zur Geltung kommen und unser Gemeindeleben nicht nur mit Worten dokumentieren.
Wichtig war uns, dass die Kosten trotz farbiger Gestaltung nicht explodieren. Wir konnten eine Druckerei ausmachen, die sich auf Gemeindebriefe spezialisiert hat
und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis anbietet. Der Farbdruck ist jetzt insgesamt nur knapp 10 Euro teurer als unser bisheriger Druck. Durch die Gewinnung neuer
Anzeigenkunden konnte diese Differenz zudem mehr als ausgeglichen werden.
Wir als Team freuen uns, Ihnen den Unterliederbacher Brief zum neuen Kirchenjahr in neuem Glanz präsentieren zu können und hoffen, dass Sie viel Freude daran haben. Wir
werden weiter daran arbeiten und freuen uns immer über Anregungen und Verbesserungsvorschläge.
Und wenn Sie Lust bekommen haben, bei uns im Redaktionsteam mitzuarbeiten oder hin und wieder Artikel für den Unterliederbacher Brief zu schreiben, dann
melden Sie sich gerne im Gemeindebüro!
Ich als Vikarin freue mich, dass mein Gemeindeprojekt erfolgreich verlaufen ist und danke allen, die dabei mit so viel Einsatz und Zeitaufwand mitgeholfen haben!

Ihre Cäcilie Blume

In neuem Glanz!
In neuem Glanz!

Aus Ausgabe 187:

Auf ein Wort

Liebe Gemeinde,


zweimal alles neu gemacht, zweimal neu raus geputzt und herausgegeben bzw. neu eröffnet, zweimal etwas Altes durch ein Neues ersetzt. Das gilt in diesem Monat für unsere Gemeinde. Das eine davon halten sie gerade in den Händen. Es ist unser ganz
neu gestalteter Gemeindebrief. In Farbe ist er jetzt, aber auch mit neuer Gestaltung und
eigenen Rubriken. Das andere ist unsere neue „Kita am Liederbach“, die am Montag,
dem 2. Dezember ihren Betrieb aufnimmt und dafür die alten Räumlichkeiten in der
seit über 40 Jahren bestehenden Kita Johannesallee schließt!

Wie geht es Ihnen mit Neuerungen?
Freuen Sie sich darauf, wenn sie etwas erneuern in ihrem Leben? Wenn sie etwas Altes durch was Neues ersetzen? Oder halten sie lieber an dem fest, was vielleicht schon in
die Jahre gekommen ist, dafür aber vertraut und bekannt? Und irgendwie auch ausreichend?
Nicht zu Unrecht wird ja manchmal beklagt, dass wir zu viel erneuern. Wir ersetzen, was eigentlich noch vollkommen in Ordnung, gebrauchstüchtig und ausreichend war. Denken Sie nur an die Handys, die alle ein bis zwei Jahre ersetzt werden, obwohl sie viel länger funktioniert hätten und dann einen enormen Elektroschrott produzieren.
Wer repariert heute noch so was? Oder auch die Neuerungen und Umstrukturierungen,
die Arbeitnehmer heutzutage ständig an ihren Arbeitsplätzen erleben?
Ist es wirklich nötig, dass wir so oft alles neu machen? Es mag ja attraktiver werden
und ein bisschen komfortabler, doch haben wir das wirklich gebraucht? Hätten wir nicht die alten Klamotten, das alte Handy einfach weiter nutzen können? Hätte der Betrieb
nicht mit der alten Abteilung mindestens genauso gut und effektiv gearbeitet? Hätten
wir nicht einfach weiter mit dem alten schwarzweiß Gemeindebrief leben können?
Und mit den zugegebenermaßen beengten aber auch gemütlichen Räumen der Kita
Johannesallee? Die letzten 40 Jahre waren die Kinder dort doch auch glücklich?
Mag sein. Aufgefallen ist mir in den zurückliegenden Monaten aber auch, wie viel
Energie freigesetzt worden ist durch diese beiden Neuerungen, wie viel Kreativität, wie
viel Lust, an der Gestaltung des Neuen mitzuwirken.

Nachdem unsere Vikarin Cäcilie Blume das Projekt „neuer Gemeindebrief “ gestartet hat, hat der Redaktionskreis viel Zeit investiert zu überlegen, welche gestalterischen
Veränderungen den Gemeindebrief nicht nur attraktiver, sondern auch übersichtlicher
machen könnten. Und in der Kita hat das Team über Plänen und Katalogen gebrütet, immer mit dem Ziel, wie können wir dafür Sorge tragen, dass hier eine Kita entsteht, in der unsere Kinder behütet, aber eben auch angeregt und gefördert werden.
So sehr wir es manchmal vielleicht auch übertreiben mit den Neuerungen und  Neuanschaffungen, ohne Erneuerung ist Leben auch nicht vorstellbar. Wir brauchen
die Erfahrung, dass sich das Leben nicht in der Wiederkehr des immer schon Bekannten
erschöpft. Wir müssen erleben können, dass wir nicht festgelegt sind auf das, was war. Wir müssen immer wieder die Chance haben, uns und unser Leben zu verändern und d.h. in der Regel zu erneuern.

Dass es in unserem Leben die Möglichkeit des Neuen gibt, ist auch ein Versprechen
unseres Glaubens. Durch den Mund des Propheten Jesaja sagt Gott: Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.
Und durch Jesus wird ein neuer Bund geschlossen zwischen Gott und den Menschen, durch den wir uns bei Gott geborgen wissen können. Jesus hat gezeigt, was für ihn Erneuerung bedeutet. Sie ist kein Selbstzweck, aber sie kann Menschen befreien aus festgelegten Rollen und Lebenszusammenhängen, um neues Leben zu ermöglichen über alte Grenzen hinweg. Darum muss es gehen. Natürlich ist das noch kein Argument für die Neugestaltung eines Gemeindebriefes, aber auch ein erneuerter Gemeindebrief macht hoffentlich noch mal neu aufmerksam auf die vielen Aktivitäten unserer Gemeinde, die letztlich die Botschaft von Gottes erneuernder Liebe vermitteln sollen. Und ich bin sicher, die 62 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, die ab Anfang Dezember die Kita am Liederbach besuchen, werden die neuen Räume als ihr zweites Zuhause auf Zeit in Besitz nehmen, das ihnen jeden Tag neu die Möglichkeit zum Wachsen und Reifen gibt.


Ihr Pfarrer Holger Kamlah